Besuch in den Delphin Werkstätten

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Meine Nah-bei-Dir Tour durch Pankow geht weiter. Dieses Mal war ich zusammen mit BVV-Kandidatin Katja Ahrens bei den Delphin-Werkstätten, die der Sozialdienst katholischer Frauen in Pankow betreibt.

Die Delphin-Werkstätten geben Menschen mit Unterstützungsbedarf, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben, eine Perspektive: Eine feste Anstellung mit sonderpädagogischer und therapeutischer Begleitung. Insgesamt finden in den unterschiedlichen Bereichen an den insgesamt vier Standorten der Delphin-Werkstätten über 220 Menschen mit Unterstützungsbedarf eine Aufgabe. Einige Vertreterinnen und Vertreter des Werkstattrates haben wir bei unserem Termin kennengelernt. Die Standorte haben unterschiedliche Schwerpunkte. So befindet sich in Buchholz z.B. vorrangig der Garten- und Landschaftsbau, während in der Pankstraße u.a. mit Lebensmitteln und fermentierten Pilzen gearbeitet wird. Dann gibt es noch das Café Agnes Neuhaus in Niederschönhausen, das mit seinem schönen Garten ein beliebter Anlaufpunkt ist.

Wir haben den Standort in der Wilhelm-Kuhr-Straße in Alt-Pankow, direkt am Bürgerpark besucht. Zu Beginn durften wir zusammen mit Bereichsleiter Reik Lehmann, Pressesprecherin Ursula Snay und dem Leiter der Werkstatt in Buchholz, Herrn Kliem, einen Blick in die Räumlichkeiten werfen.

Zuerst ging es in die Wäscherei, in der für private und geschäftliche Kunden Wäsche gewaschen und gemangelt wird. Hier arbeiten aktuell 17 Beschäftigte, die Kleidung und Gastronomiewäsche reinigen, bügeln und mangeln. Die Arbeit hat ihre Tücken, denn es muss genau darauf geachtet werden, dass Termine eingehalten und die unterschiedlichen Anforderungen der Kunden beachtet werden. Die Betreuerin der Gruppe berichtete uns von der Arbeit in der Wäscherei. Sie kennt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gut und achtet genau darauf, dass alle die richtige Aufgabe hier finden. Besonders erfreulich sei es, dass auch immer wieder Schülerpraktikanten den Weg in die Wäscherei der Delphin-Werkstätten finden. Manche schlagen hinterher den Weg in die soziale Arbeit mit Menschen mit Unterstützungsbedarf ein.

Weiter ging unsere Besichtigung durch die Metallwerkstatt, in der vor allem Qualifizierung der Beschäftigten betrieben wird, hin zur Kabelmontage. Die Arbeit hier verlangt sehr viel Konzentration, denn die fertigen Kabel werden u.a. in optischen Geräten, wie Kameras, verwendet. Ein besonderes Schätzchen ist die Näherei der Delphin-Werkstätten. Hier wird noch kreativ gearbeitet. Herr Lehmann erzählte uns, dass es nicht mehr viele solcher Nähereien gibt. Daher ist er froh, dass der Standort in der Wilhelm-Kur-Straße dieses Angebot noch machen kann. Die Produkte, die hier entstehen, sind besonders und werden u.a. auf dem hauseigenen Weihnachtsmarkt verkauft. Besonders angetan haben es uns die Upcycling-Taschen aus alten Fahrradschläuchen – sowas sieht man nicht sehr oft.

Schließlich ging es noch in die Küche und den Hauswirtschaftsbereich. Die Kantine wird im Moment nur von einer anderen Werkstatt betrieben, steht aber auch externen Gästen nach Bestellung offen. Gerne essen die Beschäftigten alle gemeinsam hier, wobei das durch die aktuellen Hygienemaßnahmen leider nicht geht. So bleibt die Gruppe aus dem Beschäftigungs- und Förderbereich aktuell nur unter sich. Hier werden Menschen begleitet, deren Assistenzbedarf aufgrund stärkerer geistiger und/oder körperlicher Behinderung höher ist, und die noch nicht in den Werkstätten arbeiten können – ein besonders sensibler Bereich in den Delphin-Werkstätten. Unabhängig vom Grad des Assistenzbedarfs war die Corona-Pandemie für alle hier eine schwierige Zeit. Die festen Tagesabläufe sind für die Beschäftigten sehr wichtig und den Alltag ausschließlich in der eigenen Wohngruppe zu bestreiten, war für manche der Beschäftigten sehr schwierig. Daher gab es auch während des Lockdowns Notbetreuung für einige; das hat die Situation etwas entschärft.

Am Ende unseres Rundgangs führten wir noch ein Gespräch mit den Vertreterinnen und Vertretern des Werkstattrates. Ingrid Starkgraff, Marcel Jeske, Nicole Fincke setzen sich für Ihre Mitbeschäftigten ein und diskutieren die Themen der Werkstätten auf der Landesebene. Ihnen brennt besonders ein Thema unter den Nägeln: der Mindestlohn in Werkstätten.

Eigentlich ist das ein zutiefst sozialdemokratisches Thema, doch die Beschäftigten sehen die Einführung des Mindestlohns mit Sorge. Für sie ist die Arbeit hier ein sicherer Hafen, der die nötige Flexibilität zulässt, die sie und ihre Kolleginnen und Kollegen benötigen. Mit dem Mindestlohn käme aus ihrer Sicht mehr wirtschaftlicher Druck in die Werkstätten, was die Arbeit hier verändern würde. Außerdem müsse genau darauf geachtet werden, welche Auswirkungen die Lohnzahlungsänderung auf unterstützende Leistungen, die die Beschäftigten erhalten, hätte. Nach derzeitigem Sachstand stünde nämlich eine Schlechterstellung der Menschen hier bevor. Den Druck in der gesellschaftlichen Debatte spüren auch Herr Lehman und Herr Kliem. Sie berichteten uns von ihren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Start-ups. Hier entstehen gemeinsam gute Projekte, die die Firmen und auch die Werkstätten bereichern und wachsen lassen. Durch die Berichterstattung und die Forderung nach Mindestlohn in der Öffentlichkeit sind aber viele Unternehmen verunsichert. Das schadet den Werkstätten. Es sei wichtig zu berücksichtigen, dass der Grad des solidarischen Miteinanders in Werkstätten viel höher ist als im ersten Arbeitsmarkt, erläutert uns Herr Kliem. Die enge Begleitung der Beschäftigten wäre nicht darstellbar, wenn Mindestlohn gezahlt werden würde, und würde die Preise und den Druck in die Höhe schnellen lassen. Wir finden es sehr wichtig, dass diese Perspektive in den Diskussionen zum Mindestlohn in Werkstätten Gehör findet und nehmen dieses Thema gerne mit. Es ist gut, dass es Einrichtungen wie die Delphin-Werkstätten gibt, die Menschen mit Assistenzbedarf eine Perspektive gibt; das soll nicht gefährdet werden.

Es gab bei unserem Besuch aber noch weitere Themen, wie die Öffnung und Verankerung der Werkstätten in den Kiez und die Kooperation mit Regelschulen, um Inklusion in den Köpfen und Herzen der Menschen von Beginn an zu verankern. Auch den Umgang mit steigenden Zahlen assistenzbedürftiger Menschen mit Migrationshintergrund haben wir kurz angesprochen. Zu all diesen Themen gibt es Ideen und Vorschläge, die wir an anderer Stelle einbringen werden. Pankow ist ein Bezirk für alle und darum unterstützen wir es, wenn Einrichtungen sich öffnen und stehen ihnen zur Seite.